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Reisebericht (Chile und Argentinien) Mai 2001 In Puerto Montt begann unerwartet ein
neues Verschiffungsdebakel. Wir freuten uns auf die viertägige, spektakuläre
Fjordpassage von Puerto Montt nach Puerto Natales. Doch zwei Tage vor Abfahrt, mussten wir
erfahren, dass keine Passagiere auf diesem Schiff erlaubt waren (obwohl wir bei der
Ankunft mehrere einheimische Passagiere ausstiegen). So mussten wir einen Flug buchen und
Syydiaan alleine auf die Reise schicken. Glücklicherweise war der
2-Stunden-Flug eine echte Sensation! Bei klarem Wetter überflogen wir eine riesige und
bezaubernde Gletscherwelt; vom Fitz Roy über den Upsala- und Pertito Moreno-Gletscher bis
hin zum Torres del Paine-Massiv sahen wir alles. In Puerto Natales schliefen wir
ausnahmsweise in einem Hostal statt wie gewohnt in unseren Camperbetten. Im Hafenbüro der
Fährgesellschaft Navimag wurden wir von mehreren Seiten leider belogen und alles wurde so
verdreht, als läge der Fehler bei uns. Auf Details möchten wir hier nicht mehr eingehen.
Deshalb können wir Navimag auf keinen Fall weiterempfehlen. Am Ende unzähliger
Diskussionen (Markus liess sich von sämtlichen Managern nicht Kleinkriegen und
diskutierte locker auf spanisch mit) war es Tatsache, dass die M/S Amadeo vier
Tage später als versprochen im Hafen von Puerto Natales einlaufen würde. Um die Zeit zu nutzen, mieteten wir
für zwei Tage ein Fahrzeug und fuhren zum Torres del Paine N.P.. Für uns ist dieser Park
einer der schönsten Nationalparks, wenn nicht sogar der Schönste dieser Reise. Der Park
ist geprägt von der rauen und wilden Natur mehrmals täglich kann das Wetter
blitzschnell umschlagen. Hier wird einem deutlich gemacht, dass der Mensch in der Natur
ein unbedeutender Faktor ist. Verschiedenfarbige Lagunen sind umgeben von markanten
Schneebergen und blauschimmernden Gletschern. Am Lago Grey kalbt der Grey-Gletscher in den
See und lässt bizarre Eisberge im grünen Wasser herumtreiben. Dank der Nebensaison waren wir
praktisch die einzigen Besucher und konnten dadurch viele Tiere beobachten. So sahen wir
zum Beispiel Guanakos, Ñandus, Füchse, Stinktiere, Kondore, Flamingos und Adler
leider aber immer noch keine Pumas. Trotz anfangs misslichen
Wetterbedingungen unternahmen wir am folgenden Tag eine siebenstündige Wanderung zu den
Torres, den drei turmartigen Bergspitzen und zugleich Wahrzeichen des Parkes. Leider
musste Bayern I in der Hälfte wegen Blasen an den Füssen aufgeben! Nach diesen
eindrücklichen Erlebnissen kehrten wir zurück nach Puerto Natales und nahmen endlich
unsere beiden Fahrzeuge unversehrt in Empfang. In Punta Arenas besichtigten wir die südlichste Brauerei der Welt, die Polar-Brauerei, welche das feine Austral herstellt. Weiter südwärts, nach Punta Arenas,
wird Patagonien immer wilder und einsamer. Auf diesem Fünftel der Fläche Chiles leben
weniger als 1% der Einwohner, dafür aber 50% der Schafe. Von Punta Arenas nahmen wir die Faehre
über die Magellan-Strasse nach Porvenir, begleitet von schwarz-weissen Delfinen und
Magellan-Pinguinen. Dort setzten wir zum ersten Mal Fuss und Reifen auf die Insel Tierra
del Fuego! Nach der mittlerweile routinemässigen
Erledigung der Zollformalitäten reisten wir erneut nach Argentinien ein. Nun ging es mehr
oder weniger nonstop unserem Ziel entgegen. Wie die ersten Kilometer waren auch die
letzten Kilometer der Panamericana ungeteert. Am 10. Mai 2001 um 16.15 Uhr erreichten wir
nach einem knappen Jahr und rund 55'000 km unser Ziel im Tierra del Fuego N.P.! Hier endet
die Traumstrasse der Welt auf einer unscheinbaren Wiese am Beagle Kanal. Dort
standen wir nun, genossen die Stille, schauten aufs Meer hinaus und erinnerten uns der
überstandenen Abenteuer und Erlebnisse. Wenige Kilometer entfernt befindet
sich Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt. Sie dient den Forschungsstationen der
Antarktik als Versorgungshafen. In einem teuren, dafür aber nicht speziell guten
Restaurant leisteten wir uns ein Nachtessen und stiessen mit Moni und Thomas auf das
Erreichte an. Nach einem weiteren unnötigen Besuch
bei der südlichsten Mercedes-Vertretung (wir mussten in Alaska auch schon die
Nördlichste besuchen) machten wir uns auf den Heimweg nach Basel!? Auch diesen versüssten wir uns mit
einigen Zückerchen: so zum Beispiel mit einem Abstecher zum Perito Moreno Gletscher. Dort
übernachteten wir direkt beim Gletscher und beobachteten zwei Tage und Nächte lang ein
unglaubliches Naturschauspiel. Dazu möchten wir aus dem Buch Panamericana von
Aubert und Mueller zitieren: Kobaltblaue Türme erheben sich kulissenhaft in einer
ca. 50m hohen Eiswand senkrecht über dem See und drohen jeden Moment herabzustürzen. Wir
glaubten zu träumen, als dann ganze Wände berstend in Gleiten gerieten. Erst langsam,
wie in Zeitlupe, dann immer schneller werdend, alles mitreissend, um endlich wie unter
Kanonendonner den Seespiegel zu durchbrechen. Süchtig hätten wir werden können, immer
gigantischer wünschten wir uns die Eisabstürze, immer spektakulärer die
Kettenreaktionen. Besser und zutreffender hätte man dies wohl kaum beschreiben
können. Am Abend gönnten wir uns stilvoll
einen Martini mit original Gletschereis. Wer weiss, wie alt dieses Stück Eis wohl war?
Hat doch der Gletscher eine Groesse von rund 200 Quadratkilometer und bewegt sich mit
einem halben Meter pro Tag vorwärts. Sonst gibt es auf der östlichen Route
durch Patagonien bis Puerto Madryn nicht viel zu sehen. Die endlosen Ebenen dieser Pampa
sind monoton zu durchfahren und der dauernde starke Gegenwind macht ein zügiges Fahren
unmöglich. Wir fragen uns, wie hart das Leben für Mensch und Tier hier sein muss?! Wegen
den tiefen Temperaturen und dem stürmischen Patagonienwind konnten wir nur noch selten
draussen sitzen. Gerne denken wir zurück an die tropischen Temperaturen in Mittelamerika,
welche wir damals oft verfluchten. Langsam realisierten wir, dass hier der Winter
definitiv Einzug hält. Nicht zuletzt, weil es am Morgen bis um 9 Uhr dunkel bleibt.
Dafür überboten sich die Auf- und Untergänge der Sonne an Farbe und Schönheit! Bei Puerto Madryn befindet sich die
Halbinsel Valdes und ist als Tierparadies bekannt. Whalewatching ist hier big
business. Uns erschienen diese Touren als unangebracht, da sie die Tiere stören und
an diesem Ort nicht nötig sind. Man kann die eleganten Riesen (Rightwhales werden bis 13m gross und 35 Tonnen
schwer) problemlos von den Klippen und Stränden beobachten. Wir liessen es uns nicht nehmen und
campten einige Male direkt am Meer. Was gibt es eindrücklicheres, als wenn beim
Frühstück im Hintergrund ein Wal auftaucht oder beim Nachtessen die Seelöwen und
Seeelefanten mit uns unanständig um die Wette rülpsen? (Da wirken sogar Nils und Tom
lächerlich dagegen.) Weitere uns bekannte Bewohner dieser
Halbinsel sind die straussenähnlichen Ñandus, die Stinktiere, die Gürteltiere, die
Guanakos, die Wildpferde und die Füchse, welche uns jede Nacht beim Grillen zuschauten.
Nicht zuordnen konnten wir dagegen die Maras, welche wir zuerst als hüpfende, langhaarige
Pitbulls mit Hundedecken definierten. Später wurden wir belehrt, dass es sich dabei um
eine Art Pampahasen handelt, welcher kurioserweise mit dem Meerschweinchen verwandt ist.
Dieses Naturreservat ist zudem bekannt für seine riesigen Magellan Pinguin-Kolonien und
dient den Killerwalen als Jagdgebiet auf Robben. Zum Abschluss dieser
tierischen Tage gönnten wir uns in Puerto Madryn die argentinische
Spezialität Parilla. Dabei handelt es sich um einen Berg Fleisch, welcher auf einem
Holzkohlegrill serviert wird. Dank unseren guten Spanischkenntnissen erhielten wir nur
unappetitliche Innereien und fettes Fleisch, welches man bei unseren Metzgern nicht einmal
auf Anfrage bekäme auf das all you can eat- Angebot haben wir dankend
verzichtet. Dafür war der Hauswein scheusslich! Nach drei weiteren Fahrtagen durch
endlose Ebenen erreichten wir am 27. Mai 2001 die argentinische Hauptstadt Buenos Aires,
wo wir bei Markus Bekannten Nora und Adrian mitten in der Stadt ein nettes Zuhause
fanden. Von hier aus organisierten wir problemlos alle Zoll- und
Rückverschiffungsformalitäten mit der Firma Turner und Grimaldi (www.grimaldi.napoli.it). |