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Reisebericht 6

Mexico, Belize, Guatemala, Honduras (Dezember 2000)

Da wir fürs Erste genügend Salz geschluckt hatten (vom Bodysurfen) und uns die tropisch warmen Temperaturen langsam auf den Wecker gingen, zog es uns Schweizer wieder in die Berge.

Wir durchfuhren die Sierra Madre de Chiapas und erreichten San Christobal de las Casas erst nach dem Eindunkeln. Obwohl Nachtfahrten in Mexico nicht empfohlen werden, haben wir es geschafft, ausgerechnet in der gefährlichen Gegend der Zapatistas nachts unterwegs zu sein. (Bravo!)

San Christobal gilt als eines der schönsten Kolonialstädtchens Mexicos und ist bekannt für seine bunten Indiomärkte.

Eine kurvige und zeitraubende Bergstrasse führte uns weiter an unzähligen Indiodörfer vorbei nach Agua Azul. An dieser Stelle stürzt ein brauner Fluss, entgegen seines Namens, über mehrere Wasserfälle in die Tiefe.

Weiter unten im Tal liegt Palenque, eine der bekanntesten Ruinenstätten der Mayas. Diese Tempel liegen eingebettet im tropischen Dschungel, was das Ganze noch mystischer erscheinen lässt. Fliegen einem die Tukane um die Ohren und hört man die Brüllaffen brüllen, wird man in eine andere Welt versetzt. Übernachtet hatten wir seit langem wieder einmal auf einem richtigen Campingplatz mit Wasser, Stromanschluss und einer haarigen Tarantel unter dem Tisch beim Nachtessen. Campingplätze dieser Art sind in Mexico und Centralamerika sehr selten, deshalb übernachten wir oft an Tankstellen, in Nationalparks oder auf bewachten Hotelparkplätzen.

Unsere Reise führte uns weiter in Richtung Yucatan Halbinsel. Unterwegs besuchten wir 2 weitere Mayastaetten: Uxmal und Chichin Itza. In Uxmal sahen wir uns abends eine eindrückliche Ton- u. Lichtshow in den Ruinen an, welche uns mehr über das Leben der Mayas erklärte.

Aus einem unseren schlauen Reisebücher entnahmen wir einen coolen Tipp: Die Cenote Dzitnub (versucht das mal fehlerfrei auszusprechen!). Dies ist eine Grotte mit kristallklarem Wasser, in dem man baden kann. Durch ein Loch in der Decke tritt Tageslicht ein und beleuchtet Stalakmiten, Stalaktiten und Fledermäuse.

Bei der "Tourismusfabrik" Cancun erreichten wir, zum ersten Mal auf unserer Reise, das karibische Meer. Auf dem Campground trafen wir Petra und Roger, welche mit ihrem schweizer Landrover (ZH) auch auf der Panamericana unterwegs sind. Dort machten wir uns ein gemütliches "Santichlaus"-Nachtessen. Weil die heissen Temperaturen für "heissi Schoggi" nicht so geeignet waren, begnügten wir uns mit selbstgekauften Chocodrink. Dazu gab's faule "heissi Maronni", ranzige Baumnüsse und Mandarinen mit viel Kernen. Mmmmh! Schade, eigentlich freuten wir uns auf dieses spezielle Essen. Soviel zur Tradition!

Dann gings aber richtig los: Wir fuhren in die Hotelzone und stürzten uns ins laute Nachtleben von Cancun. Dutzende von Luxushotels reihen sich dort auf einer schmalen Landzunge zwischen Meer und Lagune aneinander. Zwischen den Hotelkästen gibt es unzählige Discos, Openair - Bars und internationale Restaurants. Die meisten Discos (nebst denen auf Ibiza angeblich die Grössten und Besten - sicher aber die Lautesten) bieten "All you can drink" für US$ 25.-- an. Proscht! Wir wollten aber eher an der frischen Luft bleiben und so entschlossen wir uns, für die Bar "Slices". Im Nachhinein hätten wir lieber vom "All you can drink"-Angebot profitieren sollen. Unser Ferientipp: Eine Nacht in Cancun genügt!

Da diese Nacht unser Budget arg durcheinander brachte, zog es uns weiter der Küste entlang nach Süden zum Camping X7 in Xpu-Ha (sprich Schpuha). Dort findet man noch die "richtige" Karibik, mit weissen Sandstränden, Palmen und Bambushütten. Unser Standplatz war direkt am Meer unter Palmen. Hier treffen sich immer wieder viele Weltenbummler, Aussteiger und Überwinterter. Unter anderem ein deutsches Paar, die mit ihrem selbergebauten Toyota Land Cruiser bereits seit 2 1/2 Jahren unterwegs sind. Diese Gegend ist bekannt für die sensationelle Unterwasserwelt. So vergnügten wir uns mehrere Tage mit Schnocheln, Tauchen (Markus), Baden, Relaxen, gemütlichem Beisammensein sowie mit Austauschen von interessanten Reiseerfahrungen.

Die letzte mexikanische Mayastätte, die wir besichtigten, war Tulum. Die Ruinen sind nicht so spektakulär, wie die von Palenque, Uxmal oder Chichin Itza, dafür aber liegen sie einmalig schön direkt am türkisblauen Meer.

Am letzten Tag in Mexico machten wir dann doch noch eine Erfahrung mit der so gefürchteten Polizei. Wir bogen verbotenerweise links ab (weil das Schild wieder einmal hinter einem Busch versteckt war) und schon stand ein aufgeblasener Motorrad - Polizist mit Porschebrille (Hasta la vista, Baby!) vor uns. Nach langem Verhandeln (ohne Schmiergeld) klärten wir die Situation souverän.

Bei Chetumal passierten wir die Grenze nach Belize und verliessen ein wunderschönes und sehr abwechslungsreiches Mexico, dass uns positiv überrascht hatte. Adios Mexico!

Über Belize können wir nicht allzu viel berichten, weil wir nur wenige Stunden in diesem englischsprechenden Land waren. Eigentlich planten wir, rund 1 Woche in Belize zu bleiben, doch die unfreundlichen und absolut tourismusfeindlichen Grenzbeamten, sowie die hohen Visum- resp. Einreisekosten veranlassten uns, diesen kleinen Karibikstaat (halb so gross wie die Schweiz) im Transit zu durchfahren. Einziger Höhepunkt war das creolische Mittagessen und das "britische" Bier dazu.

Wir erreichten die Grenze zu Guatemala bei Dunkelheit (18h). Obwohl wir völlig unvorbereitet zu diesem Zoll kamen, hatten wir nach einer Stunde alle Formalitäten erledigt.

Unser 1. Tag in Guatemala führte uns zu einem Höhepunkt dieses Landes: Die Maya-Ruinen von Tikal. Diese spektakulären Tempel liegen mitten im dichten Urwald. Neben ein paar Touristen trifft man dort auch auf Nasenbären, Brüllaffen, Agutis und Kolibris - es soll aber auch die Heimat von Jaguars, Ozelots und Pumas sein. Zum Sonnenuntergang stiegen wir nochmals auf den hintersten Tempel und genossen so den Überblick und die mystische Stimmung dieser Ruinenstadt. An dieser Stelle würden wir gerne diese einmalige Stimmung beschreiben, doch lässt dies sich kaum in Worte fassen.

Weiter südlich am Lago Izabal entdeckten wir Agua Caliente. Dies ist nicht eine weiter heisse Quelle, sondern ein veritabler "Heisswasserfall". Man sitzt in einem kühlen Flüsschen, umgeben von tropischer Vegetation, und lässt sich das heisse Quellwasser aus 10 m Höhe auf den Rücken plätschern.

Bei Teleman (i bii dr Teeleeboy und schwanke hin und heer...) bogen wir in die steilen Berge ab. Diese ueble Erdstrasse führte uns durch unzählige Kaffeeplantagen nach Semuc Champey. Dort uns erwartete uns das 8. Weltwunder (gemäss eigenen Angaben). Der Rio Cahabon verschwindet dort nämlich in einem tosenden Wasserfall unterirdisch. Das wäre eigentlich nichts Aussergewöhnliches, wenn er nicht wieder überirdisch in Erscheinung treten würde. Und zwar in Form von Pools, welche auf einer "Kalksteinbrücke" Stufe um Stufe hinunterplatschern, um am Schluss wieder mit dem eigentlichen Fluss zusammenzukommen (alles klar?). Die smaragtgrüenen bis türkisblauen Pool eignen sich optimal zum Baden.

Auf dem Weg zur Hauptstadt machten wir Halt beim auf 2000m liegenden Biotopo del Quetzal. In diesem Naturreservat wanderten wir frühmorgens durch den Nebelwald, auf der Suche nach Guatemalas Nationalvogel und Landeswährung, dem Quetzal. Da dieser Vogel vom Aussterben bedroht ist, sahen wir ihn natürlich nicht. Dafür aber 100te Arten von Pflanzen und Vögel.

Obwohl nicht geplant, fuhren wir durch den stinkenden Moloch von Guatemala City. Der einzige Grund dazu war ein Besuch bei der Mercedes Hauptvertretung. Zu unserer Überraschung erhielten wir dort alle unsere, seit Monaten gesuchten, Service- u. Ersatzteile.

Danach folgte eine unglaublich gefährliche Nacht- u. Nebelfahrt auf der Panamericana. Gewagte Überholmanöver und unbeleuchtete Fahrzeuge machen diese Strasse zu einem wirklichen Abenteuer. In dieser Gegend erreicht die Panamericana ihren höchsten Punkt (3600m) zwischen Alaska und Argentinien. Bei Solola bogen wir nach Panajachel zum Lago Atitlan ab. Diese Strasse brachte uns innert 25 km zum 1000m tiefergelegenen Kratersee, welcher von 3 Vulkanen umgeben ist. Im "Pseudo-Aussteigerdörfchen" trafen wir auf Horst Bertram, einem Automech. aus Deutschland, welcher dort seit 10 Monaten eine Werkstatt (Grube mit Dach drüber und Container als Büro) hat. Unter unserer Mithilfe (Nils als Lampenhalter) machten wir an Syydiaan den längst fälligen Service. Wir sind bis dorthin schon gesamthaft 35'000 km gefahren!

Die Weiterfahrt brachte uns nach Antigua, der ehemaligen Hauptstadt Guatemalas. Dieses farbige Kolonialstädtchen ist heute bekannt fuer seine Sprachschulen. Man kann dort für US$ 120.-- eine Woche Schule mit Privatlehrer und Unterkunft inkl. Mahlzeiten haben. Da wir dies mit unseren perfekten Spanischkenntnissen (hüstel-hüstel ... wir sind immer noch bei Lektion 8 unseres "Spanisch in 30 Tagen" - Kurses) nicht nötig haben, fuhren wir weiter zum Lago Amatitlan. Dort übernachteten wir in einem Wasservergnügungspark. Wir nutzten natürlich das Angebot an Rutschbahnen, Wellen- u. Thermalbäder. Dies war die letzte Attraktion in einem wunderschönen, interessanten und abwechslungsreichen Guatemala. Ein Land, in welchem sich die Leute wirklich sofarbenfroh kleiden, wie auf den Postkarten immer zu sehen ist. Und entgegen aller Warnungen war auch in diesem Land ein sicheres und angenehmes Reisen möglich.

Am Samstag, 23.12. wollten wir über den "Buschzoll" Corinto (erst seit 6 Monaten dank Brücken befahrbar) nach Honduras einreisen. Dies war leider ein grosser Fehler. Wir brauchten 3 Tage um unser Auto einführen zu können. Sicher waren auch die Feiertage ein Grund dafür, aber hauptsächlich lag es an der Unfähigkeit der Zollbeamten. Es würde zu weit führen, hier die Details aufzulisten.

Wir feierten Weihnachten bei "Rolli's Place" an der Karibikküste in Omoa. Dieser Zürcher (!) betreibt dort seit 5 Jahren ein Backpacker mit Campingmöglichkeiten. Den Heiligabend verbrachten wir mit einem bayrischen Paar (mit dem VW-Bus auf der Pana unterwegs), 2 lesbischen Kanadierinnen und einem Aussie. Unser "Festessen" bestand aus: Bayrischem Weissbier, Jägermeister, Chilenischem Rotwein, Bayern Prise - Schnupftabak, Moods Cigarren (für Nils), einheimischem Salva Vida (=Lebensretter)-Bier und zum Dessert Kaffee Fertig mit echtem Schweizer Kirsch, Kräuter und "Muschewasser". Dazu gab noch Chips mit Guacamolesauce. Fröhliche Weihnachten!

Nach Abschluss der Zollformalitäten in Puerto Cortes am 26.12. fuhren wir der Karibikküste entlang nach Torabe, einem typischen Garifuna-Dorf. Garifunas sind Schwarze aus der Karibik, welche im 18. Jahrhundert von den Engländern hier ausgesetzt wurden. Von dort aus unternahmen wir einen für uns geführten Ausflug durch den Nationalpark Punta Sal. Diese Lagune bietet riesige Mangrovenwälder und ist der Lebensraum für viele Wasser- u. Zugvögel, Kapuziner- u. Brüllaffen und Millionen von lästigen Mosquitos.

Weil das Wetter an der Karibikküste derart misslich war (Dauerregen und stürmische Winde) liessen wir den geplanten Besuch auf der vorgelagerten Trauminseln aus. Statt Tauchen und Schnorcheln war wieder einmal Wandern angesagt, und zwar im Muralla N.P.. Ein Nebelwald, welcher eine Vielzahl von exotischen Vögel und Säugetieren beheimatet.

Die Nationalparks in Honduras sind ein trauriges Kapitel: Durch fehlende Mittel im ganzen Land leiden natürlich solche Institutionen besonders. Viele Parks sind nicht mehr unterhalten oder sind so schlecht ausgeschildert, dass man sie nicht findet; was nicht unbedingt tourismusfördernd ist. Das meiste Geld wird immer noch für den Wiederaufbau der Folgeschäden des Wirbelsturms "Midge" von 1988 gebraucht. Trotz internationaler Hilfe sind viele Strassen und v.a. Brücken noch immer in einem bedenklichen Zustand. Und dies bei nur 12 % geteertem Strassennetz!

Die Sylvesternacht verbrachten wir im Muralla N.P. auf der einsamen Rangerstation, welche an eine SAC-Hütte erinnert. Um 17h Ortszeit stiessen wir mit einem Cuba Libre auf unsere Freunde in der Schweiz an und um Mitternacht mit einer Champagnerflasche auf uns: Weiterhin gute Reise auf der Panamericana!