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Reisebericht 8

(Panama, Ecuador, Peru) Februar 2001

Nach dem Abschluss der Zollformalitäten für die Verschiffung von Syydiaan, dem Begleichen aller Rechnungen (Schiff $1400.--, Zollagent Cortes & Cortes$150.--, Copa Airlines $260.--/Pers.) gönnten wir uns 3 Tage Karibikküste. Immer noch zu sechst genossen wir am Playa Langosta das Strandleben mit Fischen, Baden und BBQ. Obwohl dieser Strand nicht typisch "karibisch" ist, zieht es am Wochenende tausende, wenn nicht hunderte von Einheimischen dorthin. Als sie am Sonntagmorgen bereits um 6.00h busweise mit lauter Salsamusik, Kühlboxen und dem Bier in der Hand "unseren" Strand belagerten, war es Zeit für uns, einen Abgang zu machen.

Auf dem Weg zurück nach Panama City besichtigen wir den weltberühmten Panamakanal (www.pancanal.com). Der Kanal wurde 1914 eröffnet, um den Atlantik mit dem Pazifik zu verbinden und gleichzeitig die Umschiffung des gefährlichen Cape Horns zu umgehen. Der Kanal wurde nicht über die ganze Länge von 80km ausgegraben. Man baute am Atlantik und am Pazifik je 3 Schleusen hintereinander und konnte so das Wasserniveau des Lake Gatun um 25m anheben. Deshalb musste man nur den 13km langen "Gaillard-Cut" ausbaggern. Der Gatunsee muss bei jeder Schleusung ca. 100 Mio. Liter Frischwasser ins Meer abgeben! Die Durchschnittsgebühren für eine Passage liegen heute bei $ 42'000.-- pro Schiff. Den bisherigen Höchstbetrag bezahlte 1999 das Frachtschiff "Sisler" mit $ 184'000.--, des kleinsten Betrag bezahlte 1928 Richard Halliburton mit 36 Cents, er durchschwamm den Kanal!

Am 5.2.01 war es dann soweit: Wir durften endlich unsere 3 Fahrzeuge in den Hafen von Balboa zum Verladen bringen. Auch für uns war nun die Zeit gekommen, definitiv von Panama Stadt Abschied zu nehmen. An dieser Stelle möchten wir dem dicken und sehr hilfsbereiten Rogelio Cortes für seine Dienste danken. Er fuhr uns sechs inkl. Gepäck sogar gratis mit seinem Pick-up zum Flughafen. Muchas gracias, Señor Cortes!

Nach rund einem Monat hatten wir es geschafft, das fehlende Stück der Panamericana, das Darien Gebiet, zu bezwingen. Wir liessen Kolumbien aus, da die aktuelle Lage zu gefährlich ist.

Die Boeing 737 der Copa Airlines brachte uns sicher nach Quito auf 2800m.Weil sich alle freuten, endlich nach Südamerika zu gelangen, kam auf dem Nachtflug eine gute Partystimmung auf. Noch vor der Zwischenlandung in Guayaquil ging der Crew das Bier aus. Proscht!

Um 23 Uhr landeten wir in Ecuadors Hauptstadt und 1 Stunde später in der "No Bar Disco". Dort ging die Party weiter. Wir tranken Bier, da es auf dem Flug keines mehr gab, und tanzten zusammen mit den Einheimischen bis in die frühen Morgenstunden.

Nach einer kurzen Nacht im israelischen Hostal "Gan Eden" fuhren wir mit einem dichtgedrängten, ungefederten, schäppernden, alten Stinkstadtbus zum Mitad del Mundo, dem Äquator. Von nun an sind wir auf der südlichen Halbkugel unterwegs. Jetzt haben wir wieder Sommer!

Da das Frachtschiff "Atlantic Breeze" unsere Fahrzeuge einen Tag früher als geplant nach Ecuador brachte, mussten wir Quito bereits nach 2 Tagen verlassen. Mit dem Nachtbus fuhren wir in 8 Stunden ans Meer nach Manta. Dort konnten wir unsere Fahrzeuge glücklicherweise unversehrt entgegennehmen.

Anschliessend folgten wir der praktisch unbewohnten Pazifikküste bis nach Montañita, um dort ein paar Tage das Strandleben zu geniessen. Dieser beliebte Surferort besteht aus bis zu 3-stöckigen Bambusstrandhütten.

Danach trennten wir uns kurz vom bayrischen VW-Team, weil ihr Bus immer noch Probleme mit dem Radlager hatte. Das israelische Isuzu-Team und SwitzerlandI auf Mercedes 4x4 machten sich auf den Weg in die Berge. Innert 3 Stunden kämpften wir uns von Meereshöhe auf 4000m hinauf. Ohne Angewöhnungsphase übernachteten wir auf der Passhöhe bei 6 Grad, was nicht unbedingt sehr clever war! Yossi und Flesh, die nicht kälteresistenten Israelis, sahen vielleicht lustig aus mit ihren Wollmützen. Sie beklagten sich über Kopfschmerzen, bei Nils kamen noch Schwindelgefühle, Unwohlsein und Atemnot dazu. Die Höhenkrankheit lässt grüssen!

Am Morgen ging's wieder runter ins "Tal" auf 2800m, wo wir kurz auf der Panamericana Richtung Norden fuhren, um dort nach Baños abzubiegen. Baños, was auf deutsch auch Toilette heisst, ist ein bekannter Ausflugsort mit Thermalbädern und ist umgeben von aktiven Vulkanen. Der Höchste ist der Chimborazo mit 6310m.

Am folgenden Tag mieteten alle sechs (das bayrische Team erreichte Baños bereits einen Tag vor uns) je ein Mountainbike für eine rund 20km lange Downhill-Strecke. Diese abenteuerliche Strasse schlängelt sich dem steilen Canyon des Rio Pastaza entlang. Dieser soll angeblich Ecuadors bester Whitewaterrafting-Fluss sein - sicher aber der Gefährlichste! Unterwegs hatten wir zweimal die Möglichkeit, den 190m (!) tiefen Canyon zu überqueren. Einmal per Hängebrücke und einmal per selbstgebastelter Seilbahn, angetrieben von einem Datsun-Motor. Wir hatten fast 4 Wochen keinen Regen, doch ausgerechnet an diesem Tag schüttete es natürlich gewaltig. So kam es, dass Bayern und Nils in der Hälfte aufgaben. Moni wegen ihrer Blasenentzündung und Nils wegen eines geschwollenen Fusses, hervorgerufen durch einen Insektenstich. Nicht nur Nils hatte Probleme mit dem Fuss, auch Markus spührt seit Panama einen schmerzhaften Insektenstachel in der Sohle.

Und wieder trennten sich Bayern von Israel und Switzerland. Wir wollten die Dschungelstrasse entlang des Amazonas nach Cuenca fahren. Da diese Offroad-Strasse aber nur für 4x4-Spezialisten war, entschied sich Thomas und Moni mit ihrem 25-jaehrigen VW-Bus auf der Panamericana durch die Berge zu fahren. Wir brauchten 2 Tage (16 Stunden für 380 km) für diese Strecke, sahen dafür aber abgelegende Indiodörfer, wilde Orchideen und bezaubernde Landschaften. Unser grösstes Hindernis war eine halsbrecherische und schwingende Hängebrücke über den Rio Pastaza.

Der rote VW-Bus stand auch in Cuenca wieder vor uns am abgemachten Platz! Jetzt ging's wieder gemeinsam weiter auf der Panamericana Richtung Süden via Loja nach Vilcabamba. Die Strasse führt dort wunderschön durch die Anden, doch lag die Durchschnittsgeschwindigkeit wegen des Auf und Abs und der Schlaglöcher wieder unter 30km/h.

Vilcabamba ist ein ruhiger Ort in einem Tal und bekannt für die Langlebigkeit seiner Bewohner (der Rekord liegt bei 126 Jahren). Vielleicht haben sich deshalb dort so viele "Gesundheitsfarmen" niedergelassen. Bei einer davon, der Madre Tierra Ranch, schlugen auch wir unsere Zelte auf. Wir wollten einige Tage relaxen und uns verwöhnen lassen. Dies taten wir ausführlich: Baden in den Pools, entspannen im Jacuzzi, gesundes Gemüse essen, (fast) keinen Alkohol trinken, Rücken massieren lassen ($8.-- für 40min.) sowie Billard- und Basketballspielen. Markus wollte es dann noch wissen: Er buchte eine1-stuendige Gesichtsbehandlung für $4.--. Zuerst bekam er eine Gesichtsmaske aus Lehm, da sah er aus wie ein Knetmännchen. Und als seine Augen noch mit Karotten bedeckt wurden, sah er aus wie ein schwarzer Schneemann! Aber auch die anschliessende Avocado-Honig-Limonen-Maske mit Gurkenaugen liess ihn nicht besser aussehen!

Wesentlich besser sah er am nächsten Tag aus. Wir mieteten uns 6 Pferde, um die Umgebung zu erkunden. Markus, Nils, Thomas und Yossi buchten je ein "Medio", die erfahrenen Reiter Moni und Flesh je ein "Rapido". Doch Markus, der Anfänger, erwischte aus Versehen ein Rennpferd. Aber im sauberen Galopp führte er die Gruppe über die Feldwege.

Vilcabamba ist auch bekannt für den berüchtigten San Pedro Kaktussaft. Seine Wirkung erstreckt sich von Halluzinationen über "Dauerflash" bis zu gesundheitlichen Langzeitschäden. Dies war definitiv nichts für uns!

Bevor wir den Ort verliessen, "mussten" wir uns noch ein zwiespältiges Spektakel ansehen: Einen Hahenkampf. Zu unserem Erstaunen unterlag der eine Güggel bereits nach 30 Sekunden. Sein Gegner bohrte ihm die angeklebten Stachel direkt durch die Halsschlagader. Toll!

Bei Macara verliessen wir Ecuador, eine sicheres Reiseland, welches aber wegen mangelnder Ausschilderungen individuell nicht einfach zu bereisen ist. Dafür können die Eingeborenen keine präzisen Wegbeschreibungen geben. Sie fuchteln nur wild mit den Armen in der Luft herum und denken, wir hätten sie begriffen. Ecuador ist sehr weitläufig, abwechslungsreich und sehr günstig (z.B. 1 Liter Diesel für 30 Rappen).

Leider mussten wir ein Highlight Ecuadors auslassen: Die Galapagos Inseln. Rund $1000.-- pro Person für eine Woche lag deutlich über unserem Reisebudget.

Die Grenze zu Peru war absolut kein Problem. Sehr freundliche Zöllner, laute Musik und wenig Papierkrieg erleichterten uns die nächtliche Überfahrt. Nach rund einer halben Stunde waren alle über dem Grenzfluss - neuer Rekord! Apropos Grenzfluss, unterhalb der Zollbrücke bringen Schmuggler schwimmend ecuadorianische Billigwaren über den Fluss nach Peru - und die Zöllner schauen zu!

Peru ist das drittgrösste Land Südamerikas mit 50 Bergen über 6000m, 12'000 Seen und 1679 Gletscher.

Unser erster Eindruck von diesem Land war aber ein ganz anderer: Die riesige Wüste Sechura. Hunderte von Kilometern erstreckt sich diese Sand- und Steinwüste zwischen den Anden und dem Pazifik. So hatten wir einmal die Möglichkeit, mitten in den Sanddünen zu übernachten. Dort genossen wir eine sensationelle Abendstimmung - zusammen mit Milliarden von Mücken, welche uns den Abendblues summten!

Immer wieder tauchten unerwartet (weil wir bis heute noch keine Peru-Strassenkarte haben) Oasen-Städte in dieser unwirklichen Landschaft auf. Eine davon ist der Badeort Huanchaco. Leider lädt das Meer dort nicht mehr zum Baden ein, denn der Humboldt-Strom bringt zu kaltes Wasser von der Antarctic in diese Region.

In Trujillo trennt sich vorerst die 3 Teams. Der VW-Bus musste wegen Bremsproblemen zurückbleiben, der Isuzu zum Kupplungswechsel nach Lima und unser Mercedes durfte sich über einen 4300m hohen Pass nach Huaraz kämpfen.

Hier sitzen wir jetzt im Internet Café auf 3000m und schreiben diesen Reisebericht. Wir hoffen auf besseres Wetter, damit wir morgen die schneebedeckten Sechstausendener der Cordillera Blaca geniessen können.