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Reisebericht 9

(Peru, Bolivien)  März 2001

Thomas (Bayern I) versprach uns im Huascaran Nationalpark Blumen, die bis zu 20 m hoch werden. Dies wollten wir natürlich genauer wissen. So fuhren wir am frühen Morgen von Huaraz in den Park. Die ersten Puya Raimondi entdeckten wir schon bald, doch waren sie "nur" 8-12 m hoch und blühten auch nicht. Die Puyas sind vergleichbar mit Agaven, aus welchen in der Mitte ein grosser, schwarzer Stachelstamm wächst. Die 40-100jährigen Blumen blühen einmal in ihrem Leben, geben dann bis 6 Mio. Samen ab und sterben anschliessend.

Doch der Park bot noch viele andere Sehenswürdigkeiten (Glück gehabt, Thomas!). Da war z.B. eine Quelle, aus welcher rostrotes Mineralwasser sprudelte oder mitten in einer Wiese ein tiefes, türkisblaues Wasserloch. Auch die Umgebung mit den verschneiten Bergen der Cordillera Blanca waren nicht zu verachten. Wir fuhren mit unserem Camper bis auf 4900m und bestiegen von dort aus unseren ersten 5000er (!) neben dem Pastoruri Gletscher. Dieser ist Perus einziges Skigebiet mit rund 200m Piste und ohne Lift ! 

Als wir losfahren wollten, versenkte Markus noch kurzerhand unseren Camper im Schlamm. Unglaublich toll, wenn man auf 5000m bei Schneefall Steine sammeln und graben muss - Merci Markus! Die "Retourkutsche" für ihn folgte bald: Nach dem Essen musste er eine "Rösti" legen (vermutlich vom Thunsalat oder war es doch die Höhe?)  

Auf der Rückfahrt zur Pazifikküste kam uns eine schwarze Honda Africa Twin entgegen. Kannten wir den Kerl darauf nicht? Genau, es war Jens aus Hamburg! Mit ihm hatten wir vor rund 8 Monaten in Kanada nach Gold gegraben. So ein Zufall ! 

Die Hauptstadt Lima liessen wir aus. Wir mussten sie zwar im Abendverkehr durchqueren, nutzten aber die Gelegenheit, endlich wieder einmal in einem richtigen Supermarkt einkaufen zu können. Sonst ist dies in Peru gar nicht so leicht, denn alles wird in kleinen Läden an der Strasse verkauft. Deren Auswahliste aber beschränkt und gute Frischprodukte sind eher selten.  

Lunahuana ist bekannt für das beste Riverrafting in Peru. Da mussten wir natürlich hin! Auf dem Rio Cañete ist raften bis Level 4 möglich. Switzerland I und Bayern I sassen nun im gleichen Boot und hatten bei Level 3+ "a riesen Gaudi". Nach 90 Minuten wilden Paddelns durften wir in einer Pisco-Destillerie noch einige Versucherlis des örtlichen Weines und Piscos testen. Am Abend war zufälligerweise ein Weinfest im Dorf, was aber wie meistens nichts Spezielles war - ein paar Einheimische und laute Musik auf dem Dorfplatz, nicht einmal die Weinkönigin war hübsch! 

Bayern I musste anschliessend zum Flughafen nach Lima um Bayern II (ihre Freunde Susi und Tom) abzuholen. Wir hingegen fuhren weiter südlich über Icain die Bilderbuch-Oase von Huacachina. Dort kann man auf den riesigen Sanddünen Sandboarden. Auch dies mussten wir natürlich ausprobieren. Trotz intensiven Durchfalls von Nils kämpften wir uns auf die rund 200m hohen Dünen, um anschliessend in "perfekten Schwüngen" auf dem Sand herrunterzugleiten(vergleichbar mit Snowboarden). 

Der Küste nach weiter kamen wir nach Nazca, wo sich entlang der Panamericana viele riesige, mystische Linien und Zeichnungen im trockenen Sand befinden. Woher sie stammen und welche Bedeutung sie haben, ist bis heute noch nicht geklärt. Aber unser Schweizer Erich von Däniken hat bereits die Lösung dazu. Er behauptet nämlich, dass diese Linien (die Längsten sind zu 23 km lang und verlaufen über Bergrücken) und Figuren von den Nazca Völkern zur "Anbetung" von Ausserirdischen gemacht wurden. Diese beobachteten anscheinend die Landung der "E.T.s" und wollten durch ein Nachbauen der Landepisten, dass sie wiederkommen.  

Wir verliessen die Panamericana, um über die Anden nach Cuzco zu fahren. Die Strasse war im ersten Teil perfekt, wurde aber nach dem ersten 4500er-Passimmer schlimmer. Weil es in letzter Zeit in den Anden stärker als sonst geregnet hatte, kamen es zu vielen Überschwemmungen und Schlammlawinen. Zeitweise fehlten sogar die Brücken, so dass man viele tiefe Flussdurchfahrten in Kauf nehmen musste. Dies ist besonders bei unseren Kollegen mit den Motorrädern beliebt. Generell sind die Strassenzustände bei den Travellers momentan Thema Nummer 1. Für diese 400km lange Strecke brauchten wir sage-und-schreibe3 Tage!  

Markus leistete sich eine weitere Showeinlage. Beim Parkieren am Strassenrand für die Übernachtung setzte er Syydiaan hinten links dermassen in ein Schlammloch, dass der Camper bis zur Kabine einsank und das Vorderrad in der Luft war. Da es weiter regnete und dauernd Schlamm nachrutschte, war ein Ausgraben unmöglich. So kochten wir im 45 Grad-Winkel schräg stehenden Camper ein warmes Süppchen und schliefen "stehend" - merci Markus! Bei Tagesanbruch buddelten wir weiter, konnten uns aber aus eigener Kraft nicht befreien. Der Erste, der anhielt hatte, war Hector mit seinem 4x4 Pick-up. Dieser befreite uns aus der misslichen Lage. Die Aktion kostete Markus seine Kanada-Mütze und Nils seine Migrosbank-Uhr (Sorry Martin!). 

Cuzco ist die Tourismushochburg Perus und zugleich DIE Partystadt der Anden auf 3300m (vgl. mit der Höhe Piz Corvatsch). Von Cuzco nahmen wir den Zug zum Machu Picchu (der erste Teil war enttäuschenderweise mit dem Bus, weil auch dort ein Erdrutsch die Bahnlinie verschüttet hatte). Mittlerweile kann man zwischen 3 Zugsklassen auswählen: $30.--, $55.-- und $70.-- für die 4Stunden Fahrt. Wir fuhren natürlich für $30.--, weil der Eintritt zur historischen Inca-Stadt zusätzlich $20.-- kostete. Doch das teure Eintrittsgeld hatte sich wirklich gelohnt! Wir sassen rund 3 Stunden über der Stadt und genossen die unbeschreibliche Atmosphäre. 

Jeweils am Abend gingen die Parties voll ab! Überall verteilen nette Girls Gratiseintritte mit Freedrinks. Locker kann man sich hier die ganze Nacht die Kappe vollschütten ohne einen Sol zu bezahlen. Nils lernte von einer dieser "Zettelgirls", wie man Salsa tanzt oder so... (und dies alles in Spanisch).Man kann sich in Cuzco auch günstig verköstigen. Die vielen Touri-Restaurants unterbieten sich gegenseitig, so dass man bereits ab Fr. 3.—ein 3-Gang-Menu erhält. 

In diesem "Verkehrs-Knotenpunkt" gab es auch ein Wiedersehen mit "alten" Bekannten: Wir trafen das südafrikanische Paar, welches wir auf der Fähre in Mexiko kennengelernt hatten; eine Schweizerin, welche Nils in Quito in der Disco getroffen hatte und besagter Jens aus Hamburg. Dazu kamen neue Gesichter wie die beiden Appenzeller Party-Animals Pascal und "Schorsch"; Barbara und Marcel, welche auch mit ihrem eigenen Fahrzeug auf der Pana unterwegs sind. 

Die Weiterfahrt auf Perus 1A-Schlammstrasse zum Colca Cañon war etwa gleich mühsam und lang, wie die von Nazca nach Cuzco, dafür war noch ein5000er-Pass (!) für Syydiaan zu überqueren. Doch auch diese Strecke bot sehr viel an Fauna und Flora: Wir entdeckten den Andenflamingo, die verschiedenen Lama-arten (Alpaca, Vicuña, Guanaco und Llama), den Vizcacha (Hase mit langem Ringelschwanz) und der weltgrösste fliegende Vogel, den Kondor. 

Als wir am Cruz del Condor über dem Colca Cañon (tieftster Canyon der Welt, zweimal tiefer als der Grand Canyon in Arizona!) sassen und diese Vögel beobachteten, tauchte Bayern I und II unerwarteterweise wieder auf - nie hat man seine Ruhe!  

Gemeinsam fuhren wir nach Arequipa zurück. Diese Stadt wird auch die weisse Stadt genannt, weil ihre Häuser aus weissem Vulkangestein gebaut sind. Dort übernachteten wir (auf Anraten Thomas') in einem ruhigen Stadtteil. Die Gegend war so ruhig, dass uns jemand während des Schlafes die Raddeckel vom Fahrzeug stahl. 

Mit Bayern I und II fuhren wir weiter an den Titcacasee (mit 3800m weltweithöchster beschiffbarer See). In Puno buchten wir gleich eine Tagestour zu den schwimmenden Inseln Uros und auf die Insel Taquile. Uros besteht aus 48 bewohnten Inseln, welche auf Schilfgras gebaut sind; darauf wird Lage um Lage angeschnittenem Schilfgras gelegt bis sie schwimmen. Die Insel Taquile erinnert landschaftlich an Griechenland und ist bekannt für die strickenden Männer mit ihren farbigen Mützen. Bei Tourantritt um 7 Uhr morgens düdelten uns schon einheimische Musikanten die Ohren voll (toll, wenn man (Moni und Nils) am Vorabend einen Cuba-Libre Absturz hatte).  

Als wir Puno verlassen wollten, streiken die Bauern wegen zuviel Regens (!) und blockierten alle Strassen (eigentlich protestierten sie wegen der ausbleibenden Hilfsleistungen). So mussten wir nochmals einen Tag auf dem verschissen Parkplatz (keine Toilette und Thomas hatte Durchfall) bleiben. 

Am nächsten Tag war die Strasse wieder frei. Wir trennten uns ein weiteres Mal den Bayern und fuhren weiter nach Bolivien. 

Bolivien ist nach Haiti das zweitärmste Land Lateinamerikas, doch die Strasse von der Grenze nach La Paz war die Beste seit langem. Die höchste Hauptstadt der Welt (3800m - 3200m) ist in einen riesigen Talkessel eingebettet. Wenn man von Altiplano in die Stadt hinunterfährt, sieht man auf ein Meer von Häusern und im Hintergrund die schneebedeckte 6500er-Bergkette mit dem Mt.Illimani. 

Übernachtet haben wir im Oberland, einem Hotel im Valle de la luna, welches vom Schweizer Walter Schmid geführt wird. Dort gab's tatsächlich warme Duschen mit viel Wasser und danach ein feines Fondue. Beides war eine Wohltat. 

Am nächsten Morgen besichtigten und durchkletterten wir das Mondtal, welches wie ein kleiner Bryce Canyon aussieht. Sand- und Lehmformationen werden durch den Regen ausgewaschen und zu abstrakten Gestalten geformt. 

Nach 45'000 km war wieder einmal ein Service am Fahrzeug fällig. Bei Ernesto Hug, einen Schweizer in 2. Generation, konnten wir in der vermutlich saubersten Werkstatt Südamerikas den Ölwechsel und verschiedene andere Reparaturen selbst durchführen. Wie selbstverständlich durften wir auch dort übernachten. Dass dies vor uns schon einige andere Weltenbummler taten, zeigte uns das Gästebuch von Ernesto. Prominentester Gast war der 10 vor 10-Journalist Walter Eggenberger mit seinem eigenen Landrover. 

Das Geburtstagsessen von Nils war nicht unbedingt überwältigend. Wir suchten uns ein gemütliches Restaurant in der Altstadt. Leider erhielt Nils dort nur ein faules Stinkfleisch (vermutlich altes Lama) mit ranzigen Käsekroketten, mmmh! Hätte er doch lieber den guten Fisch bestellt! 

Am nächsten Tag verliessen wir Boliviens Hauptstadt in Richtung Chile. Wir durchquerten den Sajama Nationalpark, ein wunderschöner Park auf dem Altiplano mit vielen schneebedeckten Vulkanen. Einer davon ist noch aktiv und raucht vor sich hin. 

Nach der bisher kältesten Nacht (-4 Grad und ohne Heizung, weil das Gas zu Ende war!) neben dem traumhaften Parinacota Vulkan, fuhren wir am nächsten Tag über die Grenze nach Chile. Die Grenzübertritte in Südamerika gestalten sich viel einfacher und günstiger (bisher alle gratis) als in Zentralamerika. Hoffentlich geht das so weiter!