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Reisebericht 10 (Chile und Argentinien)
April 2001 Unser Kollege Michel landete pünktlich am 30.3. in Arica, der
nördlichsten Stadt Chiles. Er nutzte die Gelegenheit, mit uns während 4 Wochen Chile und
Argentinien zu erkunden. Auf dem Campingplatz (seit Costa Rica der Erste) trafen wir viele
andere Südamerika-Reisende, unter anderem auch wieder unser "Hamburger" Jens,
welcher mit seinem Motorrad ebenfalls auf der Panamericana unterwegs ist. Als 4er-Team machten wir uns auf den Weg
Richtung Süden. Die ersten paar hundert Kilometer waren eintönig, aber trotzdem mit
interessanten Wüstenlandschaften. Das einzig Spannende waren die Fruchtkontroll-Stationen
. So versucht die chilenische Regierung die Fruchtfliegen vor der Verbreitung in den
Anbaugebieten im Süden abzuhalten. Mit etwas Glück kann man dabei sämtliche soeben
eingekauften Frischprodukte wieder abgeben. Die erste Nacht verbrachten wir mitten in der Pampa und freuten
uns auf den ersten Grillabend mit Michi und Jens. Doch wo war eigentlich das Fleisch?
Vorlauter Bier-Einkaufen hatten wir das Grillfleisch vergessen! Bei Tocopilla verliessen wir die Pazifikküste und fuhren erneut
in die Anden hinauf. Unser erstes Ziel war die weltgrösste Kupfermine in Chuquicamata (www.codelco.com). Fast hätten wir die Gratisführung
verpasst, weil unser Syydiaan einen Schwächeanfall bekam (Aussetzer durch schlechten
Diesel). Wusste er vielleicht, dass er sich wieder auf über 4000m hinauf kämpfen musste? Nach der Besichtigung des grössten Loches der Welt (L=4km,
B=2km, T=650m) fuhren wir weiter zu den Geysiren "El Tatio". Dieses Gebiet ist
so eindrücklich, dass man es kaum in Worte fassen kann: Sprudelnde Geysire umgeben von
majestätischen und schneebedeckten Vulkanen! Leider konnte Michi dieses Spektakel nicht
ganz geniessen, da er in den "Genuss" der Höhenkrankheit kam. Auf der sehr üblen Piste fuhren wir weiter nach San Pedro de
Atacama. Kurz vor der Ortschaft fehlte sogar die Brücke. Und die ausgeschilderten
Umleitungen waren ebenfalls weggespült. Glücklicherweise zeigte uns ein Einheimischer
die einzige Möglichkeit dort den Fluss zu überqueren. Dies war das einzige Fahrzeug,
welches uns während des ganzen Tages entgegenfuhr. Ausserhalb von San Pedro befindet sich das Valle de la luna
(Mondtal). Dies ist ein Tal, welches seinem Namen alle Ehren macht! Wir waren zwar noch
nie auf dem Mond, aber seither können wir uns vorstellen, wie es dort aussehen muss.
Danach trennten wir uns von Jens, da er ins wärmere Brasilien weiterfährt. Wir durchquerten die Salar de Atacama, welche als trockenste
Wüste der Welt gilt. Der Salzsee beherbergt tausende von Flamingos - wir sahen doch ganze
zwei! Zur Zeit sind diese Vögel leider weiter nördlich, um dort zu brüten. Danach war wieder Kilometer-Fahren angesagt - Chile ist
unglaublich weitläufig - zurück zur Küste und weiter nach Süden auf der
Panamericana. Der 10. April war einer der bisher intensivsten Tage unser
Reise. Bereits morgens um 9 Uhr trafen wir uns mit dem Fischer "Loco Guido",
welcher nebenbei mit seinem Boot Fahrten durch das Reserva Nacional Pinguino de Humboldt
durchführt. Er fuhr uns zur Insel Chorros, vor welcher sich eine von weltweit 3
Delfinkolonien (neben Australien und Kalifornien) befindet. Nebst diesen
Bottlenose-Delfinen sahen wir Humboldt Pinguine (darum vermutlich der Name des
Reservates!), Seeotter, Robben, Pelikane, Kormorane und unzählige andere Seevögel. Am
Nachmittag ging's landeinwärts via La Serena nach Vicuña. Dort buchten wir fuer 20 Uhr
eine 2-stuendige Führung durch das Observatorium Cerro Mamalluca (www.mamalluca.org). Wir lernten dabei, dass z.B. das
Sternbild des Kreuzes des Südens immer nach Süden zeigt (staun!) oder konnten diverse
Sternbilder mit 130facher Vergrösserung bestaunen. Dann fielen wir todmüde ins Bett... Als wir auf der Panamericana Richtung Santiago weiterfuhren,
überholte er uns wieder - der rote VW-Bus von Bayern I. Was für ein Zufall! Nach einer
gemeinsamen Nacht in Los Andes trennten wir uns aber wieder, denn Bayern I wollte nach
Santiago und wir nach Argentinien. Leider lag auch beim chilenischen Skiressort Portillo (www.skiportillo.com) noch kein Schnee. So fuhren wir
am Aconcaqua (mit 6960m Südamerikas höchster Berg) vorbei weiter über die Grenze nach
Argentinien. Von nun an hiess das Hähnchen (el pollo) nicht mehr "poiio",
sondern "poscho", weil die Argentinier den Doppel "L" nicht mehr als
"li" sondern als "sch" aussprechen. In der Weingegend zwischen Mendoza und San Rafael mussten wir
natürlich ein Weingut besichtigen. Die Weinprinzessin der von Schweizer gegründeten
Firma Suter führte uns rund eine Stunde durch ihre Kellereien. Und zu allem Übel war
dieser Traubensaft auch noch gut. Danach kam uns das mit dem "sch" gerade recht! Völlig überraschend entdeckten wir ausserhalb San Rafaels eine
sensationelle Schlucht, den Cañon del Atuel: Bunte Herbstwälder, glitzernde Seen und
farbigste Gesteinsformen über welchen Kondore kreisten. Da Nils seit über 50'000 km seine Skischuhe ungebraucht
mitschleppt, mussten wir natürlich zum bekannten Skiort Las Leñas, wo im übrigen auch
die Schweizer Skinati im Sommer trainiert. Doch auch dort waren die Skihänge noch grün!
So investierten wir das gesparte Geld des Skipasses in einen (!) Kaffi Baileys. Proscht! Argentinien ist teurer als die Schweiz! Dafür ist die Polizei
günstiger! Sie hielten uns 2x innert zweier Tagen wegen verbotenen Wendens auf der
Hauptstrasse an. Dank "Doofstellen", was uns sehr leicht faellt, kamen wir jedes
Mal um eine Busse herum. Die Landschaft wurde nun der von Alaska immer ähnlicher. Nach
den vielen Wüsten waren die Wälder und Seen eine willkommene Abwechslung. Leider passten
sich auch die Temperaturen dementsprechend an; je südlicher, desto kälter. So können
wir nur noch sehr selten draussen essen oder grillen. Wie langsam üblich, fuhren wir auch in der Tourismushochburg
San Carlos de Bariloche (kurz Bariloche) zuerst in eine Autowerkstatt. Syydiaan versuchte
uns durch extreme Vibrationen anzuzeigen, dass ein Kardanwellenlager am Arsch war. Damit
aber nicht genug. Kurz vor Bariloche schepperte etwas an der rechten Kabinenseite; wir
stoppten und staunten nicht schlecht, als wir unsere komplette Sonnenstore im
Strassengraben liegen sahen! Anscheinend hat eine heftige Windböe diese während der
Fahrt abgerissen. (Dass uns ein paar Tage vorher ein Linienbus auf eine Passtrasse
gestreift hatte, haben wir schon fast wieder vergessen!) In Bariloche gab es zwei freudige Wiedersehen: Der Israeli Flesh
kam von Ushuaia hinauf, um uns hier nochmals zu treffen. Und wie soll es anders sein? Auch
der rote VW-Bus hupte an uns vorbei! Gemeinsam verbrachten wir 3 Tage in und um Bariloche.
An einem Traumplatz am See machten wir an einem Abend ein riesiges Feuer, grillierten,
erzählten uns diverse Reisegeschichten und Thomas spielte uns alte Klassiker auf seiner
Gitarre vor - und das alles bei sternenklarer Nacht und 3 Grad! Wir fuhren wieder zurück nach Chile, in dessen traumhaftes
Seen- und Vulkangebiet. In Pucon gönnten wir uns wieder einmal ein heisses Bad in den
Naturthermen Los Pozones. Wir konnten uns dort bis in die Nacht hinein in den heissen
Quellen tummeln. Am nächsten Tag buchten wir, trotz regnerischem, kalten
Herbstwetter, eine 2-stuendige ATV-Tour (4-Rad-Geländemotorräder). Und gerade wegen des
Schlammes machte es uns dreien so viel Spass. Michi's letzte Nacht im Outback verbrachten wir am Lago
Llanquihue unter dem "klassischen" Vulkan Osorno. Danach fuhren wir nach Puerto
Montt und brachten ihn zum Flughafen. Good bye, Michi - es waren vier tolle und intensive
Wochen. Im Hafen von Puerto Montt warten wir nun gemeinsam mit Bayern I
auf die Verschiffung unserer Fahrzeuge nach Puerto Natales. Eigentlich buchten wir auch
für uns diese 4-taegige Passage durch die Fjiorde Patagoniens. Doch wie schon in Alaska
ist auch diese Passagier- und Autofähre defekt, sodass nur unsere Fahrzeuge
mitdürfen. Hier werden wir uns auch von Flesh verabschieden, da dieser
wieder nordwärts fährt. Lecheim! Bereits jetzt können wir sagen, dass Chile und Argentinien
nicht mehr typisch südamerikanisch sind. Es gibt wieder Supermärkte, in denen man alles
kaufen kann, auf den Toiletten hat es Klopapier, überall kann man gratis Trinkwasser
auffüllen und das wilde Campieren ist überall möglich. Dafür sind die Preise
dementsprechend höher! |